Carolin Modersohn

Schuljahr 2015/2016

Rückblick auf meine Arbeit bei Brass for Peace:

In Bethlehem bin ich Lehrerin, Organisatorin, Managerin, Buchhalterin, Musikerin, Dirigentin, Autoritätsperson, Koordinatorin und Betreuerin. Oder auch Miss Caruuleen (Caloren)

Meine Highlights der Jahre bei Brass for Peace waren:

– Die glücklichen, stolzen und zufriedenen Schüler nach einem gelungenen Konzert.

– Ein Mädchen, dass weil ihre Eltern zu spät zum Abschlusskonzert des Sommercamps kamen (als es fast zu Ende ist) komplett in Tränen ausbrach. Wir schafften es sie aufzumuntern und spielten noch ein privates Konzert für ihre Eltern.

– Das Filmmusikkonzert 2.0. das zwar ein riesen Aufwand war, aber dann vor einem fast vollen Saal zu spielen, war auf jeden Fall die beste Belohnung für Schüler, Volontäre und Organisatoren.

– Ein Schüler der 2015 „Über die Mauer“ nach Deutschland reiste und feststellte, dass er sein Instrument wohl doch in Bethlehem vergessen hat!

– Die Entwicklung der Schüler mitanzusehen und zu beobachten, wie sie ihr Leben gestalten. Ihnen Mut zuzusprechen, sie zu kennen und für längere Zeit da zu sein.

Was ist bei mir inzwischen so los in meinem Leben?

Nachdem ich mein Volontariat beendet habe, habe ich in Deutschland mein Studium im März 2017 abgeschlossen. Da ich, meinen mittlerweile Verlobten damals im Westjordanland kennen gelernt habe, bin ich zurück nach Jerusalem gekommen, habe in Talitha Kumi damit begonnen Deutsch zu unterrichten. Mittlerweile arbeite ich Teilzeit in der Schule und seit Juni 2018 auch wieder bei Brass for Peace. Meine Aufgaben sind es die Dinge vor Ort zu koordinieren, zu unterrichten, mitzuarbeiten und zu organisieren. Zwar bin ich offiziell die Vorgesetzte für die Volontäre, sehe mich selbst aber eher als Mitarbeiterin, da es mir sehr wichtig ist, dass sie selbstständig und eigenverantwortlich Arbeiten.

Ich leite und spiele in dem Posaunenchor Brass for Peace in Bethlehem.

An diese Geschichte mit BfP denke ich immer wieder zurück: Anfang Dezember 2018 hatten wir ein konzertreiches Wochenende. Den Auftakt bat der Freitag, ein Konzert mit einer Gruppe aus Norwegen, Shadin, eine unserer Schülerinnen, hatte die Gruppe im vergangenen Sommer kennengelernt und wir haben ein gemeinsames Konzert in Bethlehem organisiert. Die norwegische Band hatte ihre Songs ausgesucht und wir unsere, zwei Stücke haben wir gemeinsam vorgetragen. Die Gruppe hatte auch eine Menge Zuhörer mitgebracht, so saßen die norwegischen Zuhörer bereits ab 17.45 in der Kirche bereit und warteten auf den Beginn des Konzerts. Weil die Schüler nicht gewohnt sind, dass eine Veranstaltung pünktlich beginnt, waren sie noch sehr entspannt, haben sich fertig gemacht und draußen gestanden, gequatscht und gelacht. Die Gruppe in der Kirche wurde langsam ungeduldig, es war 18:05 Uhr. Also baten wir unsere Spieler Platz zu nehmen und begannen gegen 18:10 Uhr mit dem ersten Stück, wohlwissend, dass einer der Stühle immer noch frei war, da wir den besagten Spieler nicht gefunden hatten. Während des ersten Applauses kam der besagte Schüler dann ganz selbstbewusst den Mittelgang entlanggelaufen, setzte sich auf seinen Platz, nahm sein Instrument und tat so, als ob nichts Ungewöhnliches passiert ist. Miriam, Tilman und ich mussten uns, und müssen uns heute immer noch, zusammenreißen nicht laut loszulachen, wenn wir davon sprechen. Das restliche Konzert lief dann pannenlos und die Schüler waren alle total begeistert, hörten der Band gespannt zu und genossen das Zusammenspiel.

Brass for Peace bedeutet heute für mich: Alltag! Music connects people.

 

1. Rundbrief – Carolin

2. Rundbrief – Carolin

3. Rundbrief – Carolin